Desinfektion: Unterschied zwischen den Versionen

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(1919 - 1922 Maul und Klauenseuche)
 
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== 1919 - 1922 Maul und Klauenseuche ==
 
== 1919 - 1922 Maul und Klauenseuche ==
Desinfektion von Personen und Gegenständen: Da der Erreger der Maul- und Klauenseuche (das MKS-Virus) säureempfindlich ist, lässt er sich mithilfe von Zitronen- oder Ameisensäure oder auch Formaldehyd deaktivieren. Hilfreich sind dabei beispielsweise Desinfektionsbäder oder -matten.
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Desinfektion von Personen und Gegenständen: Da der Erreger der Maul- und Klauenseuche (das MKS-Virus) säureempfindlich ist, lässt er sich mithilfe von Zitronen- oder Ameisensäure oder auch Formaldehyd deaktivieren. Hilfreich sind dabei beispielsweise Desinfektionsbäder oder Matten.
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=== Desinfizierte Post während der Maul- und Klauenseuche / Artikel von Reinahrd Stutz ===
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Die Maul- und Klauenseuche durchzog die Schweiz von 1918 bis 1921 mit regionalen Höhepunkten. Während des Ersten Weltkrieges suchte diese Seuche Europa heim, dabei blieb die Schweiz nicht verschont; der Seuchenzug ging in mehreren Wellen hauptsächlich durch die Kantone Aargau, Bern, Graubünden, Soiothurn und Tessin. Allein 1919 zahlte der Bund über 2,44 Millionen Franken
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an Entschädigungen an die Kantone. Die Weiterverbreitung suchte man durch Desinfektions-Massnahmen zu verhindern. In einigen Amtsbezirken im Kanton Bern wurde auch das Postgut einbezogen.
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Eine postgeschichtliche Aufarbeitung fand bis heute nicht statt. Ein Aufruf zur Bearbeitung in der BBZ 3/2000 blieb ohne Echo. (2) Dank Unterstützung durch die Leiterin des Postarchives und Ihrer Mitarbeiterin (Frau Bazak und Frau Burri) wurden dem Verfasser aus den Kreispostakten (Postkreises Bern) die noch vorhandene Archivalien zugänglich gemacht. An dieser Stelle
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sei diese Unterstützung, im Namen aller Interessierten, nochmals verdankt. Bundesgesetze zur Bekämpfung von Tierseuchen Zur Bekämpfung von Tierseuchen bestanden Bundesgesetze über polizeiliche Massregeln mit den entsprechenden Vollziehungsverordnungen von 1872, 1873 und 1886, die 1917 in ein neues Bundesgesetz überführt wurden. Der Bundesrat erliess am 18. August 1914 einen Beschluss betreffend besondere Massnahmen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Dieser Beschluss wurde am 18. Juni 1920 aufgehoben. Als Ersatz kam die vom 30. August 1920 datierte neue Vollziehungsverprdnung zum Bundesgesetz betreffend die Bekämpfung von Tierseuchen. Über Massnahmen im Postverkehr konnten keine Hinweise gefunden werden. Verfügungen der Postverwaltung
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Bis 1919 sind keine Verfügungen oder Weisungen betreffend Tierseuchen bekannt. Die Postverwaltung erliess aber Verfügungen (1900-1911) zum Schütze gegen Cholera und Pest, wenn Gefahr drohte.
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Der erste Hinweis zu Seuchen findet sich in der Postordnung (A1) von 1925, §103 (Seite 175): „Beschränkung und Aufhebung der Zustellung: Ist die Vertragung wegen Ungangbarkeit
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der Wege oder aus irgend einem anderen Grund, z.B. wegen Seuchen, mit besonderen Schwierigkeiten oder mit Gefahr verbunden, so kann sie eingestellt werden. Von einer solchen Verfugung hat die Postverwaltung dem Gemeindevorstand unter Darlegung der Gründe Kenntnis zu geben." Die Oberpostdirektion reagierte erst eine Jahr nach Ausbruch der Seuche mit einem Schreiben an die Kreispostdirektionen. Aus dem damaligen Rundschreiben der Oberpostdirektion (OPD) an die Kreispostdirektionen (KPD) vom 24. September 1920 geht hervor:

Aktuelle Version vom 4. November 2018, 16:43 Uhr

Seuchen und ansteckende Krankheiten beeinträchtigen seit jeher den reibungslosen Verkehr. Da der wirkliche Übertragungsweg der Krankheiten lange Zeit unbekannt war.diensten unteranderem Quarantäne für Reisende und die Desinfektion von Postsendungen als Abwehrmassnahme.

So war auch das Postwesen von Turn und Taxis von solchen Einschränkungen betroffen. Beispielsweise befahl Kaiser Karl VI im Zuge der Pesthepidemie in Südfrankreich 1720



1866 Pest

1919 - 1922 Maul und Klauenseuche

Desinfektion von Personen und Gegenständen: Da der Erreger der Maul- und Klauenseuche (das MKS-Virus) säureempfindlich ist, lässt er sich mithilfe von Zitronen- oder Ameisensäure oder auch Formaldehyd deaktivieren. Hilfreich sind dabei beispielsweise Desinfektionsbäder oder Matten.

Desinfizierte Post während der Maul- und Klauenseuche / Artikel von Reinahrd Stutz

Die Maul- und Klauenseuche durchzog die Schweiz von 1918 bis 1921 mit regionalen Höhepunkten. Während des Ersten Weltkrieges suchte diese Seuche Europa heim, dabei blieb die Schweiz nicht verschont; der Seuchenzug ging in mehreren Wellen hauptsächlich durch die Kantone Aargau, Bern, Graubünden, Soiothurn und Tessin. Allein 1919 zahlte der Bund über 2,44 Millionen Franken an Entschädigungen an die Kantone. Die Weiterverbreitung suchte man durch Desinfektions-Massnahmen zu verhindern. In einigen Amtsbezirken im Kanton Bern wurde auch das Postgut einbezogen. Eine postgeschichtliche Aufarbeitung fand bis heute nicht statt. Ein Aufruf zur Bearbeitung in der BBZ 3/2000 blieb ohne Echo. (2) Dank Unterstützung durch die Leiterin des Postarchives und Ihrer Mitarbeiterin (Frau Bazak und Frau Burri) wurden dem Verfasser aus den Kreispostakten (Postkreises Bern) die noch vorhandene Archivalien zugänglich gemacht. An dieser Stelle sei diese Unterstützung, im Namen aller Interessierten, nochmals verdankt. Bundesgesetze zur Bekämpfung von Tierseuchen Zur Bekämpfung von Tierseuchen bestanden Bundesgesetze über polizeiliche Massregeln mit den entsprechenden Vollziehungsverordnungen von 1872, 1873 und 1886, die 1917 in ein neues Bundesgesetz überführt wurden. Der Bundesrat erliess am 18. August 1914 einen Beschluss betreffend besondere Massnahmen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Dieser Beschluss wurde am 18. Juni 1920 aufgehoben. Als Ersatz kam die vom 30. August 1920 datierte neue Vollziehungsverprdnung zum Bundesgesetz betreffend die Bekämpfung von Tierseuchen. Über Massnahmen im Postverkehr konnten keine Hinweise gefunden werden. Verfügungen der Postverwaltung Bis 1919 sind keine Verfügungen oder Weisungen betreffend Tierseuchen bekannt. Die Postverwaltung erliess aber Verfügungen (1900-1911) zum Schütze gegen Cholera und Pest, wenn Gefahr drohte. Der erste Hinweis zu Seuchen findet sich in der Postordnung (A1) von 1925, §103 (Seite 175): „Beschränkung und Aufhebung der Zustellung: Ist die Vertragung wegen Ungangbarkeit der Wege oder aus irgend einem anderen Grund, z.B. wegen Seuchen, mit besonderen Schwierigkeiten oder mit Gefahr verbunden, so kann sie eingestellt werden. Von einer solchen Verfugung hat die Postverwaltung dem Gemeindevorstand unter Darlegung der Gründe Kenntnis zu geben." Die Oberpostdirektion reagierte erst eine Jahr nach Ausbruch der Seuche mit einem Schreiben an die Kreispostdirektionen. Aus dem damaligen Rundschreiben der Oberpostdirektion (OPD) an die Kreispostdirektionen (KPD) vom 24. September 1920 geht hervor: